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Bankroll-Management: warum die Einsatzhöhe wichtiger ist als der Tipp

Auch mit einem echten Vorteil kann man pleitegehen, wenn die Einsätze zu hoch sind. Wie das Kelly-Kriterium funktioniert — und warum man es halbieren sollte.

Mittwoch, 19. August 2026 · 7 Minuten Lesezeit

Die meiste Aufmerksamkeit gilt der Frage, worauf man setzt. Dabei entscheidet die Frage, wie viel man setzt, mindestens genauso über das Ergebnis.

Warum ein Vorteil nicht vor Ruin schützt

Angenommen, du hast tatsächlich einen Vorteil von fünf Prozent. Setzt du bei jeder Wette die Hälfte deines Guthabens, bist du mit hoher Wahrscheinlichkeit trotzdem bald bei null.

Der Grund ist unangenehm einfach: Ein Verlust wiegt schwerer als ein gleich grosser Gewinn. Verlierst du 50 Prozent, brauchst du danach 100 Prozent Gewinn, um wieder gleichauf zu sein.

VerlustNötiger Gewinn zum Ausgleich
10 %11 %
25 %33 %
50 %100 %
75 %300 %
90 %900 %

Das Kelly-Kriterium

John Kelly beschrieb 1956 bei den Bell Labs eine Formel für die optimale Einsatzhöhe. Sie maximiert das langfristige Wachstum:

Anteil = (Quote × Wahrscheinlichkeit − 1) ÷ (Quote − 1)

Ein Beispiel: Die Quote beträgt 2,50, du hältst den Ausgang für 45 Prozent wahrscheinlich.

(2,50 × 0,45 − 1) ÷ (2,50 − 1) = 0,125 ÷ 1,50 = 8,3 %

Bei einem Guthaben von 1000 Franken wären das 83 Franken.

Warum man Kelly halbieren sollte

Die Formel geht davon aus, dass deine Wahrscheinlichkeitsschätzung stimmt. Genau das ist in der Praxis nie sicher.

Überschätzt du deinen Vorteil auch nur leicht, setzt Kelly zu hoch an — und die Schwankungen werden brutal. Ein voller Kelly-Einsatz führt selbst bei korrektem Vorteil regelmässig zu Rückgängen von 50 Prozent und mehr.

Deshalb hat sich halber Kelly durchgesetzt: Man nimmt die Hälfte des errechneten Anteils. Das kostet etwa ein Viertel des theoretischen Wachstums, halbiert aber die Schwankungen. Ein Tausch, den fast jeder eingehen sollte.

Manche gehen auf ein Viertel Kelly herunter. Auch das ist vertretbar — die Formel belohnt Vorsicht mehr als Übermut.

Die einfachere Alternative

Wer nicht rechnen will, fährt mit einer festen Regel überraschend gut: ein bis zwei Prozent des Guthabens pro Wette, unabhängig von der Einschätzung.

Das ist etwas weniger effizient als Kelly, aber deutlich robuster gegen den häufigsten Fehler — die eigene Treffsicherheit zu überschätzen.

Was gar nicht funktioniert

Verdoppeln nach Verlust. Die Idee klingt zwingend: Irgendwann gewinnt man, und dann ist alles wieder gut. In der Praxis erreicht man nach sieben oder acht Niederlagen in Folge entweder das Tischlimit oder das Ende des Guthabens. Beides passiert häufiger, als die Intuition vermuten lässt.

Einsätze erhöhen, um Verluste aufzuholen. Der klassische Weg, aus einem schlechten Tag eine schlechte Saison zu machen.

Kurz gefasst: Die Einsatzhöhe entscheidet über den Ruin, nicht die Tippqualität. Kelly liefert die theoretisch optimale Grösse — halbiere sie, weil deine Schätzung unsicher ist. Ein bis zwei Prozent pro Wette sind eine gute Faustregel.

Unter Bankroll-Rechner kannst du beides durchrechnen.


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