Grundlagen
Warum eine Trefferquote von 80 % nichts wert ist
Wer nur auf Favoriten tippt, erreicht mühelos hohe Trefferquoten — und verliert trotzdem Geld. Was man stattdessen anschauen sollte.
Dienstag, 18. August 2026 · 5 Minuten Lesezeit
"80 Prozent Trefferquote" steht auf vielen Tippseiten. Die Zahl ist meist echt. Sie sagt trotzdem fast nichts aus.
Das Problem mit der Trefferquote
Tippe ausschliesslich auf haushohe Favoriten mit Quoten um 1,20. Die gewinnen etwa 83 von 100 Spielen. Deine Trefferquote: 83 Prozent.
Deine Bilanz nach 100 Wetten zu je 10 Franken:
- Einsatz: 1000 Franken
- Rückfluss: 83 × 12 = 996 Franken
- Ergebnis: 4 Franken Verlust
Eine glänzende Trefferquote und trotzdem rote Zahlen. Umgekehrt: Wer auf Aussenseiter mit Quote 5,00 setzt und nur 22 von 100 trifft, hat eine Trefferquote von mageren 22 Prozent — und 100 Franken Gewinn.
Die Trefferquote allein ist ohne Quotenniveau bedeutungslos.
Was stattdessen zählt
Rendite. Wie viel kommt pro eingesetztem Franken zurück? Bei 1000 Franken Einsatz und 1050 Franken Rückfluss sind das plus 5 Prozent. Diese Zahl lässt sich über verschiedene Quotenniveaus hinweg vergleichen.
Kalibrierung. Von allen Prognosen mit 60 Prozent Wahrscheinlichkeit — treten wirklich etwa 60 Prozent ein? Ein gut kalibriertes Modell liegt bei jeder Wahrscheinlichkeitsstufe richtig. Das ist deutlich aussagekräftiger als eine Gesamttrefferquote.
Brier-Score. Misst die mittlere quadratische Abweichung zwischen Vorhersage und Wirklichkeit. Niedriger ist besser. Der Wert bestraft nicht nur Fehler, sondern auch übertriebene Sicherheit — wer 95 Prozent sagt und danebenliegt, wird härter abgestraft als jemand, der 60 Prozent sagte.
Der Stichprobenumfang
Zwanzig Wetten sagen nichts. Auch fünfzig nicht. Um einen Vorteil von fünf Prozent statistisch von Zufall zu unterscheiden, braucht es mehrere hundert bis über tausend Wetten.
Jede Bilanz über weniger als hundert Prognosen ist im Wesentlichen eine Aussage über Glück. Das gilt für gute wie für schlechte Läufe.
Worauf man achten sollte
Bei Tippseiten lohnt ein Blick auf drei Dinge:
- Werden auch Fehlschläge gezeigt? Ein Verlauf, der nur Treffer enthält, ist nachträglich gefiltert.
- Steht die Quote dabei? Ohne Quote lässt sich die Rendite nicht nachrechnen.
- Wird der Zeitpunkt festgehalten? Eine Prognose, die nach Bekanntgabe der Aufstellungen angepasst wurde, ist nicht dieselbe Prognose.
Unser Track Record speichert jede Prognose mit Zeitstempel und Quote, wertet sie nach dem Spiel automatisch aus und zeigt auch die Fehlschläge. Kalibrierung und Brier-Score stehen dort ebenfalls.
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